Finnisch lernen

Finnisch lernen

Ich habe ALLES versucht. Wirklich ALLES. Die Verzweiflung über das Lernen der finnischen Sprache hat mich gefühlt zu einem Sprachenlern-Experten gemacht…

Schon in Deutschland hatte ich mit Duolingo die ersten finnischen Wörter gelelernt. Mein Ziel war, mich drei Monate nach meiner Ankunft irgendwie auf Finnisch verständigen zu können. Ich war sehr optimistisch, dies – wenn ich erstmal vor Ort wäre – erreichen zu können… Rückblickend war ich – positiv ausgedrückt – ziemlich naiv… Zwei Jahre später – mit Einzel- und Gruppenunterricht, Apps, Onlinekursen und diversen Nervenzusammenbrüchen – kann ich sehr darüber lachen, nach den ersten Monaten war mir eher zum Heulen…

Sicherlich lässt sich mit Talent, sehr viel Motivation und noch mehr Zeit Finnisch innerhalb einiger Monate lernen. Mit limitierter Zeit und vielleicht etwas weniger Talent dauert es, nun, etwas länger. Oder vielleicht eher viel länger. Sehr viel länger. Und nein – nicht jeder Finne spricht Englisch (oder möchte es sprechen). Gerade ausserhalb von Helsinki kann es durchaus von Vorteil sein, Finnisch zu sprechen. Zumal ich nicht erwarte, dass die Bewohner eines ganzen Landes Englisch sprechen, nur weil ich Probleme mit mehr als drei Vokalen pro Wort oder fehlenden Präpositionen habe…

Lernmethoden – ich habe sie ALLE getestet…

  • Einzelunterricht: Ich habe kurz nach meiner Ankunft in Finnland mit Einzelunterricht begonnen. Meine erste Lehrerin unterrichtete auf Englisch. Anfangs dachte ich, dies sei kein Problem, aber schnell habe ich festgestellt, dass es das Lernen ineffektiver macht – ich übersetze in Gedanken ständig doppelt, von Finnisch nach Englisch ins Deutsche… Also Wechsel zu einer anderen Lehrerin, die auch Deutsch spricht – passt! Vorteil des Einzelunterrichts: Ich kann mein eigenes Lerntempo bestimmen, Themen so wiederholen, wie es für mich nötig ist. Nachteil: keine Mitlernenden, kein Vergleich, kein Austausch.
  • Gruppenunterricht: Hiermit habe ich unterschiedliche Erfahrungen gemacht:
    • Kansalaisopisto (=Volkshochschule) Hamina – der Finnischunterricht ist gratis, was super ist. Aber alle anderen Teilnehmer waren russischsprachig und manchmal hatte ich das Gefühl, mehr Russisch als Finnisch zu hören.
    • Onlinekurs über eine deutsche Sprachschule – gut aufgebauter Kurs mit guten Gruppenarbeiten, allerdings war mir das Tempo zu langsam, da ich im Einzelunterricht bereits weiter war bzw. parallel deutlich schneller vorangekommen bin.
  • Selbstlernprogramme:
    • Metropolia-Fachhoschule: Bietet kostenlose Finnisch-Anfängerkurse zum Selbstlernen an. Ich fand ihn wenig hilfreich, vor allem, da es die Korrekturen zu den Übungen erst gibt, nachdem man den Kurs vollständig abgeschlossen hat.
    • sprachenlernen24.de: Finde ich eine ganz gute Ergänzung zum Vokabeln lernen, wobei es leider einige Fehler enthält.
    • Karteikarten: Nutze ich auch – vor allem, da bei sprachenlernen24.de Wörter nicht mehr wiederholt werden, die bereits im Langzeitgedächtnis sein sollten. Mein Langzeitgedächtnis funktioniert scheinbar anders – auch Wörter, die ich bereits sicher konnte, vergesse ich irgendwann wieder… Neu für mich entdeckt habe ich quizlet.com, wo sich nicht nur elektronische Karteikarten erstellen lassen, sondern sich diese auch auf verschiedene Weise üben lassen.
  • Apps:
    • Duolingo: Das habe ich relativ schnell durchgespielt, dann kam nur noch Wiederholung. Der Inhalt scheint fürs Finnische sehr begrenzt zu sein. Dafür konnte ich mit dem erlernten Wort „pupu“ für „Hase“ schon für Lacher sorgen… (es scheint eher in Kleinkindersprache verwendet zu werden…).
    • Mondly: Thematisch sortiert und deutlich mehr Inhalt als Duolingo, so ganz überzeugt hat es mich trotzdem nicht.
    • WordDive: Mein Favorit unter den Apps.
  • Natural Learning Method: Sprachen lernen wie ein Baby – also einfach immer wieder zuhören irgendwann verstehen, nach dem Verstehen kommt dann irgendwann das Sprechen automatisch. Klingt toll! Funktioniert bestimmt auch. Ich nutze hierfür einen Bezahlkurs mit für diese Methode aufgenommenen Videos mit englischen Untertiteln, die man sich wieder und wieder anschaut, bis man sie auch ohne die englischen Untertitel versteht. Bei einer Sprache wie Finnisch, die von Struktur und Grammatik so unterschiedlich ist zu allen Sprachen, die ich bisher gelernt habe, halte ich es jedoch für schwierig und zeitaufwendig, (nur) nach dieser Methode zu lernen und nutze es als Ergänzung. Zumal ich es unglaublich ermüdend finde, mir zehn Mal oder mehr das gleiche Video anzuschauen, bis ich es ohne Untertitel verstehe…
  • Lernen im Alltag: Ich schaue täglich die finnischen Nachrichten in einfacher Sprache (Yle selkouutiset – sehr zu empfehlen!). Und: Ich „zwinge“ mich mittlerweile zum Sprechen, auch wenn es mich immer wieder Überwindung kostet, da es das Gespräch häufig etwas… nun ja, zäh macht… Oder ich dann doch wieder ins Englische wechseln muss…

Fazit

Die finnische Sprache ist – meiner Meinung nach – zu kompliziert, um sie in einem Selbstlernkurs oder mit einer App zu lernen. Dies können sinnvolle Ergänzungen sein, aber um Finnisch wirklich zu lernen, kommt man um Einzel- oder Gruppenunterricht (je nach gewünschtem Lerntempo) vermutlich nicht herum.

Nachdem ich mittlerweile so viele Stunden, Tage, Wochen… mit dem Finnisch lernen verbracht und zu viele Nerven investiert habe, ist Aufgeben jedoch keine Option mehr. Und langsam, ganz langsam, wird es!

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